|
Tips bei Sitzbeschwerden
Ursache für Sitzbeschwerden ist häufig der mit zunehmender Erschöpfung schwächer werdende Pedaldruck. Dann sitzt man einfach schwerer im Sattel und das drückt natürlich. Daher:
1. Nehmen Sie schon vom ersten Radelkilometer an jede Gelegenheit wahr, um aus dem Sattel zu gehen. Kurze Steigungen also im Wiegetritt nehmen, bei Bahnübergängen oder Schlaglöcher die Stöße nicht ausreiten, sondern vom Sattel ablupfen und die Unebenheiten mit den Beinen ausfedern.
2. Auf Strecken über hundert Kilometer Länge langsam hinarbeiten. Wer "keine Körner" mehr hat, läßt nur "die Beine fallen". Kein Druck auf dem Pedal - viel Druck auf dem Sattel.
3. Auch bei neuen Kunststoffsätteln nicht gleich mit der großen Runde beginnen, und auch nicht sofort Tag um Tag damit Fahren. Zwei Tage Pause zwischen den ersten und zweiten "Ritt" geben dem Sitzbereich Gelegenheit sich auf die neuen Sitzbegebenheiten einzustellen.
4. Radler mit empfindlichen Dammbereich sollten die Sattelspitze etwas senken. so wir die Belastung mehr auf die restlichen "Kontaktstellen" verteilt.
5. Radler mit schnell reizbaren Sitzknochen umgekehrt die Sattelspitze leicht anheben. Oder - einen Damensattel fahren. Wenn das nun auch innerhalb der Clubs für regelmäßige Sticheleien sorgt, so ist das noch immer besser, als ein Radlerkollege, der Unterwegs nur "ein Gesprächsthema" hat und ständig mit Abkürzungsvorschlägen kommt, um sein Leiden in Grenzen zu halten.
Welcher Sattel für wen?
Wie oben angedeutet, gilt nicht eines für alle. Trotzdem läßt sich eine gewisse Zuordnung von Sattel- und Radfahrertypen vornehmen: Kilometerfressende Amateure und Profis, aber auch gute Sportradler, legen beim Sattel großen Wert auf eine verschleißfeste Oberdecke, eine gewisse Griffigkeit der Satteloberfläche (der Allerwerteste lenkt ja bekanntlich etwas mit) sowie auf die Möglichkeit, je nach Fahrsituation den Sattel auf einer Länge von gut 10 cm benutzen zu können. Dies erfordert einen langen und schlanken Sattel (Sattelform "Rolls" oder "Turbo"). An die Polsterung stellen sie im allgemeinen weniger hohe Ansprüche. Das betroffene Körperteil ist längst an den sitzenden Sport gewöhnt und wird durch hohen Pedaldruck und die weit nach vorn geneigte Haltung noch entlastet.
Völlig anders verhält sich die Sache beim Freizeit-Velozipedisten. Sein Pedaldruck ist geringer, er sitzt aufrechter auf dem Rad und belastet demnach speziell das hintere Drittel des Sattels. Ferner gehört er zu den "Sitzenbleibern", will heißen, im großen und ganzen fährt er in ein und der selben Sitzstellung, variiert also kaum seine Sattelposition. Er benötigt deshalb eine gute Druckverteilung mittels Polsterung, Gel, eine anpassungsfähige Satteldecke sowie eine geringfügig breitere Sattellehne (Satteltyp "Regal"). Derartige Sitzmöbel sind in der Regel recht bequem. Bei Strecken oberhalb 100 Kilometer ist jedoch schon ein gewisser Gerbzustand des Allerwertesten vonnöten, um vor Beschwerden (Wundreiben) gefeit zu sein.
Frauen, die sich in ihrer Freizeit auf das Rad schwingen, achten mehrheitlich auf eine breitere Sattellehne, auf ausreichende Ausstaffierung und auf eine gekürzte Gesamtlänge. Ihr Pedaldruck ist überwiegend in den unteren Bereichen anzusiedeln. Demnach ist auch für die holde Weiblichkeit eine entsprechende Druckverteilung von entscheidender Bedeutung. Sinnvoll erscheint da allenfalls der Satteltyp "Regal", besser bedient sind die Damen mit einem Lady-Sattel. Auf Rennfahrerinnen trifft dies nicht zu: Sie powern ja mittlerweile den Freizeitradlern davon. Von einem geringen Pedaldruck kann hier wohl kaum die Rede sein. Desgleichen passen sie ihre Sitzposition - wie ihre männlichen Kollegen - dem jeweiligen Renngeschehen an, beanspruchen also ebenfalls rund 10 cm Spielraum in der Sattellänge. Ein Großteil von ihnen greift daher ohnehin zum Männer-Rennsattel, obwohl die anatomischen Gegebenheiten eher dagegen sprechen.
Großgeratene Radler möchten den Untersatz verständlicherweise bis zum Äußersten zurücksetzen. Steht die Sattelstütze bereits auf Anschlag können Sättel mit weiter nach vorn gezogenen Parallelbereich des Sattelgestelles noch ein bis zwei Zentimer herauskitzeln
. Tips gegen schmerzende Sitzknochen: Nach einer längeren Pause (etwa nach dem Winter), sind diese Schmerzen ganz normal. Die Sitzknochen bzw. die Knochenhaut, die die Sitzknochen umzieht, gewöhnen sich bereits nach einigen Fahrten wieder an den "harten" Sattel - wichtig ist die Regelmässigkeit! ACHTUNG!: Bei weichen Sätteln verhält es sich grundlegend anders: Durch das weichere Polster sinken die Sitzknochen tiefer ein. Dadurch werden Muskel- und Sehnenansätze gereizt, die sich nicht abhärten, sondern einfach nur immer wieder weh tun! Diese Art von Schmerz tritt meist nach ca. 30min - 45min auf. Fahren Sie also längere Strecken mit einem weichen Sattel, sollten Sie doch lieber auf ein straffer gepolstertes Modell umsteigen - Ihr Hintern wird es Ihnen danken!
mit sportlichen Grüßen Manfred
|